Cantata Santa María de Iquique

Conjunto Ucayali interpretiert dieses Werk analog der ursprünglichen, vom Ensemble "Quilapayún" eingespielten Version, welche unter der Leitung von Luis Advis persönlich stand. Ucayali führt eine charismatische Erzählerin für die deutsche Fassung auf.

Ein Werk für Solisten, folkloristisches Instrumentenensemble, Violoncello und Contrabass. Es wurde von Luis Advis geschrieben. Dabei wurde als Modell die klassische Kantate verwendet, in welcher typisch folkloristische Rhythmen mit einer weiter ausgearbeiteten Musik vereint werden, was dem Werk populäre und kulte Eigenschaften gibt.

Sie beinhaltet außerdem den dramatischen Charakter der klassischen Kantate, obwohl in diesem Fall die Handlung als Rezitativ, das heißt gesprochen vorgestellt und nicht gesungen wird. Dies verleiht der Erzählung einen erhöhten Realismus und schenkt dem dramatischen Charakter der Musik mehr Aufmerksamkeit. Arien, instrumentelle Abschnitte und gesungene Chöre sowie deren Abwechslung mit Solisteneinsätzen bleiben in der Cantata erhalten.

Der Weg zur Schule Santa Maria de IquiqueDie Darstellung des Werks ist durch eine starke Ausdrucksweise gekennzeichnet. Es verwendet die ursprüngliche Form der klassisch-romantischen Harmonielehre, wodurch musikalische Höhepunkte mit hohem emotionalem Ausdruck kreiert werden. Gelungene Kontrapunkte verleihen dem Stück einen in seiner Art selten vorgefundenen Eindruck gelungener Einheitlichkeit. Die Komposition fungierte als Brücke zwischen klassischen und "populären" Musikern.

Mit ihr wurde ein Grundstein für eine neue Musik gelegt. Eine Musik, welche nicht auf ehrgeizige künstlerische Absichten verzichten muss und trotzdem populär im Sinne der weiten Verbreitung bleibt.

Das Werk wurde im Juli 1970 im "Teatro de la Reforma" in Santiago de Chile uraufgeführt und erneut im August desselben Jahres auf dem Festival der Neuen Chilenischen Musik im Santiago de Chile-Stadium (heute Victor Jara-Stadium) präsentiert. Die Uraufführung wurde von dem Conjunto Quilapayún und dem Schauspieler Héctor Duvauchelle vorgestellt. Letztgenannter nahm auch an der Monate später realisierten Aufnahme des Stücks teil.

Text von Eduardo Carrasco Pirard


Dieses Werk wurde unter Verwendung der Leitlinien der klassischen Kantate geschrieben. Es gibt jedoch Varianten, die sich auf thematisch-literarische Aspekte beziehen: Die traditionell-religiöse Thematik wurde durch eine sozial-realistische ersetzt.

Bezüglich ästhetisch-musikalischer Aspekte: die europäische Tradition wurde mit diversen melodischen Themen, harmonischer Modulationen und Grundrhythmen mit amerikanischen oder hispanischen Wurzeln verschmolzen.

Instrumentelle Aspekte: vom ursprünglichen Orchester sind nur der Bass (Violoncello und Kontrabass) als musikalischer Halt geblieben. Diesem wurden zwei Gitarren, zwei Quenas, ein Charango und ein Bombo hinzugefügt.

Aspekte bezüglich der Erzählung: Das klassische Rezitativ, ursprünglich gesungen, wurde durch ein Gesprochenes ersetzt. Nichts desto trotz enthält es rhythmische und metrische Elemente mit dem Ziel, nicht mit dem gesamten Klang zu brechen.

Text von Luis Advis, Santiago de Chile, im Juli 1970

Beschreibung des Werkes

Als Basis für seine Kantate verwendete der Autor Ausschnitte aus vergangenen Werken, ursprünglich für Theatermusik geschrieben, sowie zahlreiche im Jahre 1968 geschriebene Gedichte, die das Ergebnis einer langen Reise durch Iquique (eine Stadt im Norden Chiles) und Umgebung waren.

Die Schule Santa Maria de IquiqueDas speziell dem Massaker von der Schule Santa Maria de Iquique gewidmete Kapitel des Buches "Reseña Historica de Tarapacá" von Carlos Alfaro Calderón und Miguel Bustos, erschienen im Jahre 1935, war die einzige informative Quelle für den Autor zum Schreiben des Textes.

Das Thema erinnert an das Massaker an den Minenarbeiter vom 21. Dezember 1907 in der Schule Santa María de Iquique. Ein Ereignis, welches von der offiziellen Geschichte ignoriert wird, jedoch der nördlichen Bevölkerung Chiles in Erinnerung geblieben ist: 20.000 Arbeiter verschiedener Salpeterminen marschierten gemeinsam in die Stadt Iquique, um mit den Behörden über bessere Arbeitsbedingungen sowie höhere Löhne zu sprechen. Drei Tage lang wurden sie von einer Behörde zur nächsten geschickt. In der Schule Santa Maria de Iquique sollten sie dann endlich angehört werden. 4.000 Personen, auch Frauen und Kinder waren unter ihnen, versammelten sich an der Schule. Statt Verhandlungen erwartete sie ein Massaker, in welchem 3.600 Leute den Tod finden sollten.

Musikbesetzung

Arenas, Boris: 1. Bariton, Solist, 1, Quena, Bombo
Arenas, Francisco: 2. Bariton, 2.Quena, Gitarre
León, Enrique: Bass, Solist, Bombo, Charango
Lerch, Eric: 1. Tenor, Solist, Gitarre
Muñóz, Eduardo: 2. Tenor, Solist, Bombo
Silva, Jorge: 3. Tenor, Solist, Gitarre
Hildegard Mayer: Violoncello
Misha Somonov: Kontrabass
Nadia El Hadrami: Sprecherin